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Mangelnde Finanzkompetenz

Presseerklärung vom 22.06.2006

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SEGHORN INKASSO FORSCHUNGSREIHE BAND 2:

Mangelnde Finanzkompetenz:
Fehlender Überblick über finanzielle Lage sorgt für hohes Überschuldungsrisiko


Fehlende Übersicht führt zum finanziellen Schlingern - Arbeitslosigkeit und Scheidung sorgen für die endgültige Überschuldung


Betroffene empfehlen eine Verbesserung der Allgemeinbildung in Finanzfragen – Ergebnisse einer Befragung überschuldeter Personen durch die Seghorn Inkasso GmbH

 

Bremen (gmc). Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes betrug der Anstieg im ersten Quartal 2006 gegenüber dem Vorjahresquartal nochmals 50,2 Prozent. Über die Gründe, warum immer mehr Verbraucher in die Überschuldung geraten, wird viel spekuliert, aussagekräftige Untersuchungen zum Thema sind kaum verfügbar. Die bisher vorliegenden Studien erfassen oftmals nur Teilgruppen der Betroffenen oder sind bereits veraltet. Hinzu kommt, dass die Schuldner selbst nur ungern über ihre Probleme sprechen.

Umso aufschlussreicher sind deshalb die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die die Bremer Seghorn Inkasso GmbH jetzt unter dem Titel „Überschuldung und Prävention“ vorgestellt hat. Hierfür wurden 1.996 Verbraucher mit akuten Zahlungsschwierigkeiten befragt.

Hauptursachen der Überschuldung

Mit 34,9 Prozent gehörten die meisten der Befragten in die Altersklasse zwischen 31 und 40 Jahren. In dieser Altersklasse wurde als entscheidender Grund für die Überschuldung mit 48,6 Prozent von fast der Hälfte der Schuldner die eigene Arbeitslosigkeit genannt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Mit 30,5 Prozent folgte die Ursache „unwirtschaftliche Haushaltsführung/Erfahrungsmangel im Umgang mit Geld“. Bei 28,2 Prozent war meist zusätzlich auch eine Trennung oder Scheidung ausschlaggebend.

Der Überschuldungsgrund „Trennung oder Scheidung“ ist nach dieser Studie übrigens vor allem ein Problem der Schuldner im Alter von bis zu 50 Jahren. Bei den älteren Befragten wurde diese Problematik in ihrer Bedeutung von einer „gescheiterten Selbständigkeit“ verdrängt. Während über alle Befragten hinweg nur 15,2 Prozent in diese missliche Situation gerieten, nannten die 50 bis 60-jährigen sie zu 27,9 Prozent und die über 60-jährigen zu 27,1 Prozent als Hauptgrund für die Überschuldung. Die „eigene Arbeitslosigkeit“ ging dagegen als Ursache für die Zahlungsschwierigkeiten in diesen Altersgruppen auf 39,7 beziehungsweise 32,9 Prozent zurück.

Immobilienfinanzierungen werden intensiv bedacht

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie ist, dass es offenbar nicht unbedingt die ganz großen Kredite sind, wie sie beispielsweise für den Bau oder den Kauf eines Eigenheimes aufgenommen werden, die für einen finanziellen Absturz sorgen. Lediglich 1,7 Prozent der Befragten nannten eine „gescheiterte Immobilienfinanzierung“ als Hauptgrund für ihre Überschuldung. „Dies mag daran liegen, dass die Finanzierung einer Immobilie intensiv bedacht wird. Auch die Banken beraten den Käufer vor der Kreditaufnahme ausführlich. Die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns wird hierdurch deutlich verringert“, kommentierte Seghorn-Geschäftsführer Stephan Jender dieses Ergebnis bei der Vorstellung der Studie.

Fast die Hälfte der Schulden sind „normale“ Rechnungen
Die ausführliche Beratung schützt dabei wohl vor allem Verbraucher, deren Finanzkompetenz nicht so ausgeprägt ist. Anders als bei vielen Käufen des täglichen Lebens wird beim Bankkredit Wert auf fremden Rat gelegt. Dieses bestätigt das Ergebnis einer weiteren kürzlich vorgelegten Seghorn-Studie. Demnach bezeichneten vor der Insolvenz stehende Verbraucher wider Erwarten mit 53 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte ihrer Gesamtschulden als Kreditverbindlichkeiten bei Banken. Der Rest waren offene Rechnungen aller Art mit viel kleineren Summen und bei vielen verschiedenen Gläubigern.

Der Umstand, dass nicht die großen Verbindlichkeiten, sondern die kleinen Rechnungen für akute Zahlungsprobleme sorgen, deutet bei den Betroffenen auf einen mangelnden Überblick über die eigene finanzielle Lage hin. 30,6 Prozent der Männer und 31,9 Prozent der Frauen bekannten, dass eine unwirtschaftliche Haushaltsführung wesentlich zur Misere beigetragen habe. Mit ungeplanten Ausgaben und Verpflichtungen – also durch eigene Unvernunft – wurde demnach ein wachsender Berg an Verbindlichkeiten aufgebaut. Die monatlichen Belastungen waren dann schon in guten Zeiten nur knapp zu schultern.

Schlingern durch Unvernunft – Schieflage durch Krisenereignis
In die finanzielle Schieflage führten schließlich nicht erwartete und nicht eingeplante Ereignisse wie Arbeitslosigkeit (48,8 Prozent der Männer und 46,7 Prozent der Frauen) oder die Trennung beziehungsweise die Scheidung vom Partner. Die Auflösung der partnerschaftlichen Finanzgemeinschaft trifft vor allem die Frauen hart: Während nur 17,9 Prozent der Männer (Platz vier nach Häufigkeit) hierin die Ursache für ihre Überschuldung sehen, ist dies bei Frauen mit 34 Prozent der zweithäufigste Grund.

„Aus diesem Blickwinkel betrachtet, könnte eine bessere Finanzkompetenz wie eine vorbeugende Abhärtung gegen das Risiko der Überschuldung wirken. Der Grundstein für die finanzielle Allgemeinbildung sollte dabei so früh wie möglich, im Idealfall bereits in der Schule, gelegt werden“, fasste Stephan Jender die Ergebnisse zusammen.


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