WeserKurier, 4. Oktober 2020

Presseecho: Von Forderungen, Fairness und Familie

WeserKurier, 04.10.2020

Von Forderungen, Fairness und Familie

Made in Bremen: Das Inkassounternehmen SEGHORN ist auf die Versicherungs- und Finanzbranche spezialisiert

 

Am Anfang ging es um Brötchen. Genauer gesagt um einen Bringdienst für Brötchen. Aus seinem Bulli heraus verkaufte sie Ulf Giebel – auch am Hafen und im Industriegebiet. Und immer mal wieder hörte er den Satz: „Kannst du anschreiben?“ Doch einige Kunden zahlten dann trotz Erinnerung nicht. Vielleicht ist Giebel ihnen sogar im Rückblick dankbar? Schließlich war das die Initialzündung für seine Geschäftsidee, denn er beschäftigte sich nun mit Inkasso.


Heute hat sein Unternehmen SEGHORN mehr als 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gründer Giebel ist Aufsichtsrat. Nur an die Brötchen erinnert nichts mehr: SEGHORN ist spezialisiert auf Forderungen von Banken und Versicherungen. Statt Bullis spielen hier nun Bytes eine Rolle. Künstliche Intelligenz
kommt zum Einsatz, um Prozesse des Inkassounternehmens zu optimieren.

 

Fairness ist für den Vorstand Martin Wüller und Kevin Yam oberstes Gebot. Und dazu gehört für sie, dass neben der Hochtechnologie vor allem Zeit für Dialog da ist. „Nur wer zuhört, der versteht auch den zahlungspflichtigen Kunden“, sagt Wüller. Ganz bewusst werde hier nicht vom Schuldner gesprochen. Denn es gehöre zur Philosophie von Seghorn, zwischen Mandant und Kunde zu vermitteln und ihre Beziehung zu retten. Dafür brauche es viel Feingefühl.


Wüller und Yam halten den Fokus auf eine Branche darum für notwendig. Sonst funktioniere das nicht. Insgesamt mehr als 250 000 Neuaufträge verzeichnet SEGHORN im Jahr. Die Tendenz sei coronabedingt steigend. „Ich denke, wir haben in der Volkswirtschaft einen Zenit der Zahlungsfähigkeit überschritten“, sagt Wüller mit Blick auf die Krise. Arbeitslosigkeit sei einer der Auslöser, dass Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt werden. Außerdem sei der Umgang mit Geld teils ein Problem für Menschen. Ratenzahlungen und Kredite brächten sie dann ohne Hilfe in Schwierigkeiten. „Dadurch rutschen die Menschen in solche Notlagen hinein, und es gibt keinen anderen Ausweg.“ Briefe von Inkassounternehmen folgen irgendwann – keine erfreuliche Post.

 

Das Geschäft des Bremer Unternehmens setzt bereits vorher an. „SEGHORN steht für ein ganzheitliches Forderungsmanagement“, erklärt Yam. Für die Mandanten werden nämlich Informationen aus den vielen vorhandenen Daten der Inkassoprozesse herauskristallisiert: Wie steht es um einen Kunden? Wie hoch ist das Ausfallrisiko? Um diese Fragen geht es. Ja oder Nein? Am Ende gebe es keine solche Schwarz-oder-Weiß-Empfehlung. „Wir bewerten im Graubereich“, sagt Vorstand Yam. Die Mandanten könnten dann die Konditionen für ein Angebot so anpassen, dass das Risiko vertretbar sei. Solche Modelle seien für die Kunden ebenfalls von Vorteil, weil es nicht zu hohen Risikoaufschlägen komme: „Es wird eigentlich günstiger.“


Und welche Daten werden ausgewertet? Im Gegensatz zu Auskunfteien gebe es bei SEGHORN keinen Score anhand harter persönlicher Merkmale, sondern eine Bewertung, die viele weiche Merkmale berücksichtige. Diese werde nur den Mandanten zur Verfügung gestellt. Kritisch seien Einschätzungen, die etwa zur Stigmatisierung von ganzen Stadtteilen führten. Teils gehe es auch um ethnische Merkmale. „Menschen werden dann als Kunde gar nicht mehr wahrgenommen“, sagt Yam. „Das ist nicht unser Ansatz.“

 

In den vielen automatisierten Prozessen nutzt SEGHORN dabei KI und Algorithmen. Im Haus gibt es eine eigene Entwicklungsabteilung. Ein Forderungsprozess bestehe aus vielen kleinen Aktionen, sagt Yam, deren optimale Steuerung wichtig sei: „Was ist eigentlich an der Stelle die richtige Aktion?“ Vor vier Jahren ist der Manager ins Unternehmen gekommen und hat den Bereich künstliche Intelligenz und Datenanalyse aufgebaut. Technologie, Unternehmensentwicklung und Innovation sind heute als Vorstand sein Aufgabengebiet. Dabei kommt er nicht aus der IT. „Ich bin so ein richtiger Quant“, sagt Yam. „Ich bin promovierter theoretischer Physiker.“

 

Erfahrung und Innovation – auf diese Säulen setzt das Vorstandsduo. Martin Wüller ist seit mehr als 20 Jahren im Haus. Als Vorstand will er Verantwortung auch abgeben und für flache Hierarchien sorgen. In den 90ern sei das Familienunternehmen durchaus noch partiarisch geführt worden. Das habe gut funktioniert, sagt Wüller, aber heute sei anderes gefragt: „Alles zu seiner Zeit.“

 

Insgesamt gebe es mehr als 700 Inkassounternehmen in Deutschland. Die Wettbewerber in Bremen seien auf unterschiedlichen Feldern tätig und darum sei auch ein regelmäßiger Austausch möglich. Der dürfte wichtig sein, denn das Geschäft bleibt besonders. Bewertungen der betroffenen Schuldner im Netz können hart ausfallen – das muss auch SEGHORN hinnehmen. „Das liegt in der Natur der Sache. Da wollen wir uns gar nicht schönreden. Inkasso ist keine Wohlfühlcompany“, sagt Vorstand Wüller.

 

Für die Mandanten sei ein Inkassoverfahren ebenfalls ein notwendiges Übel. Doch die Aufgabe sei für die Volkswirtschaft absolut notwendig. „Wenn eine Forderung nicht bezahlt wird, bleibt ein Unternehmen darauf sitzen und daran hängen wieder sehr viele Arbeitsplätze. Es muss alles gerecht sein“, sagt Yam. Die Dienstleistung sei hochwertig und habe ihren Preis. „Wichtig ist das Augenmaß und die Fairness.“ Es sei nicht verhältnismäßig, für Kleinstforderungen exorbitante Gebühren zu nehmen.

 

Vorteil des Familienunternehmens sei die Eigenständigkeit. „Wir haben keine Investoren, die schnelle Renditen wollen. Diese Unabhängigkeit führt dazu, dass wir Dinge gelassener und nachhaltiger sehen können“, sagt Yam. Besonders ärgert die beiden, dass schwarze Schafe das Bild der Branche immer wieder kaputtmachten. „Wir halten grundsätzlich eine weitere verschärfte Regulierung für erforderlich“, sagt Wüller. Dekadentes Verhalten, Sportwagen vor der Tür – das sei die Vorstellung. SEGHORN setzt dagegen ganz auf Unscheinbarkeit. Man wolle nicht irgendwas hermachen, darum gebe es keine Location am Domshof. Der Firmensitz unterstreicht das Verständnis: In der Stresemannstraße gibt es Baumärkte, Autohäuser, Tankstellen und dann das schlichte Bürogebäude von SEGHORN – ein Fall von auffälliger Unauffälligkeit.

 

Für Nachwuchs aber wollen Wüller und Yam sichtbar sein. In diesem Jahr gibt es mehr neue Auszubildende als sonst. Zusammenarbeit besteht auch mit Universitäten. „Wir haben eine Vielzahl von Mitarbeitern, die über eine Abschlussarbeit oder Werksstudententätigkeit bei uns fest eingestiegen sind. Das ist eine ganz tolle Entwicklung“, sagt Yam.

 

Neue Herausforderungen wird dabei Corona bringen. Die Pandemie werde die Finanzindustrie treffen, sagt Wüller, es gebe wirkliche Verwerfungen. Gerade bei den Energieversorgern hätten Stundungen Spuren hinterlassen. Gemeinsam müssten nun Modelle gefunden werden, um den Menschen, die wegen Corona in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht seien, temporär zu helfen. Unternehmenmüssten hier Verantwortung zeigen – auch SEGHORN.

 

Quelle: Zeitungsartikel aus dem Weser Kurier vom 04.10.2020 ("Von Forderungen, Fairness und Familie" von Lisa Boekhoff) 


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